Sie sind hier: auszeiten.info > KONZEPTE > Schulbus

Konzept - Schulbus - Lernen auf Rädern

Im Grunde ist das Schulbusprojekt ein Reiseprojekt, in dem zusätzlich Unterricht oder Nachhilfe, je nach Problemstellung und Lernstoff, individuell erteilt wird.

Gerade auf Reisen lässt sich Alltägliches, wie z.B. das Umrechnen der Währung, das Lesen von Schildern und Speisekarten, das Zusammenrechnen beim Einkaufen u.v.m. geradezu schon gezwungenermaßen erlernen. Aufmerksamkeit und Konzentration, Phantasie, Durchhaltevermögen und Merkfähigkeit, senken der Frustrationschwelle und Geduld üben, alles Voraussetzungen um einem Unterricht folgen zu können, sind bei einer Reise obligatorisch und mitunter lebenswichtig, zumindest tragen sie dazu bei, ob eine Reise angenehm oder schwierig wird. Relaxen ohne Reizüberflutung, Zeit zum Nachdenken und Nachreifen, sportliche Aktivität, das Philosophieren am Lagerfeuer unter dem Sternenzelt, das bestandene Abenteuer, all dies sind positive Verstärkungen und Erfahrungen, die ein Mensch in seinen Lernalltag und Lerneifer mitnehmen kann.

Das "Ein-mal-eins" oder englische Vokabeln - Pauken, an einem schattigen Plätzchen nach einem Bad im Meer, fern ab von Schulstress und Misserfolgen, vielleicht während einer langweiligen Fahrt im Regen oder auf einer mehrstündigen Überfahrt mit der Fähre, sind völlig neue Erfahrungen, die den Geist für den Spaß am Lernen öffnen!

Der Unterschied zu einem Reiseprojekt indes ist eben der, dass man nicht nur ein Reiseziel hat, sondern auch die Aufgabe, sich Schulstoff oder dem Lernen an sich zu stellen.

So ist der Reisealltag strukturiert, kommt zu den notwendigen Tätigkeiten und Aktivitäten ein Lernzeitfenster hinzu. Dieses ist abhängig von den Aktivitäten und Aufgaben, der Umgebung und dem individuellen Lernstoff und der Konzentrationsfähigkeit. Es bedarf schon einiges an Organisationstalent und Selfmanagement um zu erkennen, wie viel Lerneinheiten man braucht, zu welchem Zeitpunkt sie angesetzt werden (wann ist meine Konzentration am besten), um so einen, dem Lernpensum entsprechenden, Tagesablauf zu strukturieren.

Hier nun muss der Auftrag für die Reise klar umrissen sein, muss man wissen, ob es sich um reine Nachhilfe und Auffrischung, Prüfungsvorbereitung oder um das Angst nehmen vor der Schule, dem Lernen (bei Schulverweigerung) gehen soll. Dem entsprechend werden dann die Kids auf die Reise vorbereitet.

Erste Phase:

Einige Tage (von einer Woche bis zu einen Monat) vor der Reise wird im Haus Hutthurm / Prag das Kind, der Jugendliche eingeschätzt hinsichtlich seiner sozialen Skills und seinem schulischen Bildungsstand. In dieser Zeit stimmt man sich aufeinander ein und plant zusammen nicht nur die Reise sondern auch das Lernziel und den Weg dahin. Unterrichtsstunden am Vormittag zeigen einerseits was das Kind schon kann, anderseits werden aber auch schnell die Problemlagen klar. Die Unterrichtseinheiten bieten auch dem Kind im Vorfeld die Möglichkeit, sich auf ein neues Gefühl von Lernen einzulassen. Das Lernen - erlernen soll im günstigsten Fall zum Abenteuer werden, wie es eben eine Reise verspricht / Reisefieber-Lernfieber.

In diesem Zeitrahmen ist es auch möglich, dass man aufgrund der neuen Einschätzung der Problemlagen erkennen muss, dass der Auftrag oder das Ziel zu hochgesteckt ist, sodass man einen neuen Auftrag in Zusammarbeit mit den Eltern, der Schule und den zuständigen Ämtern und Institutionen erarbeiten muss. Im negativsten Fall kann das Kind, der Jugendliche die Reise nicht anteten (z.B. Drogenabusus, totale Verweigerung, überhöhte Aggression - Gewalttendenzen, psychiatrische Störungen, zu starke Ängste etc.), da die Sicherheit des Kindes und der Gruppe nicht gefährdet sein darf.

Zweite Phase:

Die ersten Tage der Reise sind geprägt von Gewöhnung an und dem Erlernen des Alltages (Karten lesen lernen, einfache Sprachkenntnisse aneignen, Platz suchen, Zelte aufbauen, kochen, spülen, Feuer machen, Einkauf, Einteilung der Nahrungsmittel, Zelte und Equipment abbauen - verstauen, etc.).

Nachdem sich der Alltag eingespielt hat und ein Platz gefunden wurde, an dem man längere Zeit verbringen wird, werden tägliche Lerneinheiten verabredet und dann auch in ihrer Durchführbarkeit überprüft. Die Kids sollen mit Unterstützung ihren Lernalltag, angepasst an die tägliche Struktur, selbst erstellen (z.b. vormittags nach dem Frühstück zwei Stunden Unterricht - nachmittags einstündiges Vertiefen des Gelernten). Nach einigen Tagen wird reflektiert, ob das Lernziel, beispielsweise für Prüfungsvorbereitungen, auf diese Art erreichbar ist.

Es werden natürlich auch Proben (angesagte und unangesagte) geschrieben, um dem Kind das Erkennen über den momentanen Bildungsfortschritt zu erleichtern, aber auch um es zu loben damit es Erfolg erfahren kann.

Dritte Phase:

Das Lernpensum (Zeiteinheiten und Schulstoff) wird, wenn nötig, auf die Aufgabenstellung angepasst, um den Erfolg am Ende garantieren zu können. Hier werden auch Lernstrategien erlernt, bzw. selbst erarbeitet (wie kriege ich den Lernstoff am schnellsten in den Kopf, und zwar so, dass es Spaß macht und ich mich selber nicht über - aber auch nicht unterfordere?).

Vierte Phase:

Vertiefung des Lernstoffes durch strukturiertes Konzentrationstraining. Spielerisches Erlernen des Umgangs

- mit Zeitdruck / Zeitmanagement bei Proben (z.B.Quizfragen unter Zeitdruck lösen)

- mit Strategien / wie gehe ich an eine Probe ran (z.B. Der Schüler entwickelt selber Proben zu einem Lernstoff, satffelt Fragen nach Schwierigkeitsstufen, stellt Fangfragen, um so das konzentrierte Erfassen der Aufgabenstellung zu trainieren, Erlernen von Atemtechniken und Selfmanagement wenn ein Knock Out droht, etc.).

Fünfte Phase:

Einwöchige Nachbetreuung nach der Reise im Haus. Gezieltes Abfragen (Prüfungssituation) und Reflektion über Erfahrenes und Erlerntes.

Wenn es räumlich möglich ist, kann eine kurze Rückführung in die jeweilige Klasse oder in die Prüfung begleitet werden.