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Konzept - Reiseprojekt

Eine Reise ist die klassische Auszeit schlechthin.

Gerade junge Menschen sind oftmals sehr verflochten mit ihren Peergroups (Freunden, Cliquen) und deshalb auch dem Gruppenzwang unterworfen, oder sie sind die Führer einer Gruppe, die es sich nicht leisten können plötzlich "vernünftiges" Verhalten anzunehmen. Leider sind aber auch die Familiensysteme in der Situation einer Krise völlig überfordert oder tragen zur Krise bei, so dass eine zeitliche, räumliche Trennung unvermeidlich ist, wenn man Verhaltensänderungen und Einsicht für die eigene Situation bei den Kindern erwirken möchte. In einigen Fällen reicht eine Hilfestellung (Tagesstätte, Internat etc.), die in der Nähe des Lebensumfeldes des Kindes installiert ist, oftmals aber werden die Muster mitgenommen und gar verstärkt, sodass es einschneidendere Erlebnisse braucht, um ein Einlenken zu bewirken. Dies muss aber nicht sofort mit einer Strafmaßnahme einhergehen, da Kinder und Jugendliche oftmals gar nicht wahrnehmen, wie sie sich entwicklen und welche Schwierigkeiten es mit ihnen gibt. Die meisten Kinder erfahren eine Trennung von der Familie als "Strafe" für ihr Verhalten, verstehen nicht, wie ihnen geschieht und versperren und verweigern sich.

Eine angebotene Hilfe sollte immer als Chance gesehen werden, auch von dem Kind als solche angenommen werden. So ist eine befristete Auszeit in Form einer Reise, womöglich etwas, auf das sich ein Kind einlassen kann.

Wenn man aber glaubt, dass eine Reise wie eine unanstrengende "Belohnung" daher kommt, dann hat man weit gefehlt. Das Leben in der Fremde (fremde Sprachen, fremde Sitten), das Üben von Toleranz (Rücksichtnahme auf die anderen), die Anerkennung von Respekt und Autorität (sich auf die Betreuer verlassen müssen), das Mithelfen müssen (Essen kochen, einkaufen, Aufbau und Abbau des Camps, Abspülen, Holz sammeln etc.) das Üben von Verzicht ( Schnickschnack den junge Leute glauben besitzen zu müssen / TV, Handy, PC, aber auch das vorgesetzte Essen, das aufgeräumte Zimmer etc.), das Outen müssen, das Erfahren der eigenen Grenzen, um nur mal einiges aufzuzählen, sind keine Zuckerschleckerei. Dies aber in einer lockeren Atmosphäre in der Natur zu erleben, den Erfolg sofort spüren zu können, die eigene Verwandlung zu erfahren und die Stärken kennenzulernen, sind Ressourcen, die nachhaltig wirken.

Ablauf des Projektes

Phase I / Kennenlernen - Einschätzung

Einige Tage vor der Reise leben die Teilnehmer bei uns im Haus, um erst einmal anzukommen, sich und uns kennenzulernen und einzuschätzen. Es zeigt sich erfahrungsgemäß sehr schnell, ob die Chemie stimmt und ob ein Kind auch fähig ist, eine Reise anzutreten.

 

Phase II / Vorbereitung

* Planung der Reise, Einkauf, packen und verstauen des Equipments und der eigenen Sachen

* Begleitetes Abschied nehmen (wenn dies nicht schon vorher geschehen ist)

 

Phase III / Reisealltag erlernen

* Wo gehört was hin, Aufgabenverteilung (wer macht was wann, erste Eindrücke sammeln)

* Regeln aufstellen und lernen, Konsequenzen tragen, Zusammenhalt üben

* Öffnung für Welt und Unbekanntes (Beobachten lernen, sich auf das Fremde einlassen, Einfügen in die Gemeinschaft)

* Raus aus dem Egoismus, dem Mittelpunktsdenken

 

Phase IV / Erlernen anderer Lebensstrategien

* Weniger ist oftmals mehr (Lagerfeuer beraten, mit Spielen Langeweile vertreiben, einfach mal relaxen - keine Reizüberflutung)

* Selbstinitiative ergreifen (mal was ohne Aufforderung machen), Vertrauen erlernen, Grenzen ausloten, Stärken erfahren, Ursache - Wirkungsprinzip erkennen, inneren Schweinhund besiegen, Erfolg haben, den Körper erfahren - auspowern

 

Phase V / Reflektion

* Erkennen des Selbstseins - Selbstbestimmheit fühlen - in die Eigenverantwortung gehen - kein Opfer sein - Hilfestrategien entwickeln

- Vergangenheit / Was war?

- Gegenwart / Was ist und was kann ich tun?

- Zukunft / was wünsche ich mir und was gebe ich dafür?

* Genießen lernen anstatt sinnlos faulenzen, Abstand gewinnen, einen Blick von Außen ermöglichen, Erfahrungen besprechen und reflektieren

 

Phase V / Nach Hause kommen und Wiedersehen

* Heim kommen, Gefühle besprechen, Vorbereitung auf das Wiedersehen

* Begleitetes Wiedersehen und Reflektion mit den Angehörigen

* Beratung - Evaluierung ob weiterhin Hilfebedarf besteht und in welcher Form