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Interne Beschulung - Hausunterricht

Konzept zur internen schulischen Förderung

Interne schulische Betreuung: Astrid Kleiner Dipl. Sozialpädagogin / FH

Hausunterricht wird nur in der Form einer ISE - Maßnahme angeboten.

Erste Phase: Beobachtung, Einschätzung, Festigung, Sicherheit

In den ersten Tagen wird der schulische Stand, die Konzentrationsfähigkeit, die Merkfähigkeit und vorhandene Methoden und Strukturen beim Lernen (Behalten) ermittelt. Hier darf das Kind erkennen, was es schon kann, es kommt nicht darauf an, dem Kind zu zeigen, welche Defizite es noch hat, um es nicht zu entmutigen.

Schwerpunkt wird darauf gelegt, dass akribisch festgestellt wird, welches Wissen tatsächlich so verankert ist, dass man davon ausgehen darf, darauf aufzubauen. Eine Selbstverständlichkeit im Umgang mit den Grundrechenarten und der "einfachen" Rechtschreibung ist die Basis auf der ein weiterer Unterricht aufgebaut werden kann. Oftmals ist zu erkennen, dass die einfachsten Grundvoraussetzungen (Zehner - oder Hunderterschritt beim Rechnen oder das Kennen der einzelnen Buchstaben und das zusammenhängende Lesen) nicht gegeben sind. Dies führt zu Überforderungen und Frustrationen, somit müssen vor allem diese Grundvoraussetzungen geprüft und im Falle der Nichtbeherrschung erlernt und gefestigt werden, und dies unabhängig vom Alter des Kindes (gemeint ist z.B. wenn ein 15 jähriger beispielsweise nicht richtig lesen oder rechnen kann).

In dieser Phase wird viel im Spielerischen trainiert (Schnelligkeit, Druck und Durchhaltevermögen, Konzentration), auch um zu evaluieren, welche Merkstrukturen (Eselsbrücken, Verbindungen, Herleitungen, kognitive Fähigkeiten, Schlussfolgerungen) schon vorliegen oder aber individuell erst vermittelt werden sollten. Jeder Mensch baut beim Lernen seine persönliche Struktur auf, die oftmals von einem anderen Menschen nicht unbedingt verstanden werden kann. Wichtig ist, dass das Kind durch Unterstützung und Anleitung lernt zu erkennen, wie es selbst am besten lernen kann.

Abhängig von der Entwicklung und dem schulischen Stand wird die Phase so lange andauern, bis das Kind das Lernen als spaßvolle Herausforderung erkennt und von sich aus neugierig auf weiteres Wissen wird. Die Erfahrung zeigt, dass es zu rapiden Entwicklungsschritten kommt, wenn das Kind selber bereit ist sich zu fordern, da es sozusagen die Wissensvermittlung als geistiges Abenteuer versteht, das es zu meistern gilt. In dieser Zeit baut das Kind festgefahrene Vermeidungsstrukturen ab und beginnt sich leiten zu lassen um schneller ans Ziel zu kommen. Der Lehrer oder eben Wissensvermittler wird als Helfer und Begleiter gesehen, der durch Proben und Aufgaben und auch mit nötigem Druck (Lernspiele, Quiz, Rollentausch - selber Lehrer sein dürfen und korrigieren etc.) anleitet, ähnlich dem Sporttrainer, dessen Autorität selbstverständlich ist.

Erst wenn diese vertrauensvolle Phase gelingen konnte, wird mit dem Kind ein durchgehender, strukturierter Unterricht entwickelt, der sich an die individuelle Leistungsbereitschaft und vorhandene Aufnahmefähigkeit halten muss. Überraschend ist, dass sich von alleine eine "normale" schulische Struktur bildet, also der Unterricht, der in der Schule vehement abgelehnt wurde, nun als Vorlage vom Kind genutzt wird. Bücher sind nicht mehr die Feinde, Hefte werden ordentlich geführt, Unterrichtstunden sind 45 - 60 Minuten lang etc.

Die Dauer dieser Phase ist abhängig davon wie schnell es dem Kind gelingt alte Verhaltensmuster aufzugeben, Ängste vor dem Lernen zu bewältigen und natürlich den Stoff nachzuholen, so dass auf die Anforderungen der Leistungsstufe eingegangen werden kann. Je nach Auffassungsgabe und sozialem Hintergrund kann man von einer Spanne ausgehen, die sich zwischen 3 Wochen und 3 Monaten beläuft.

 

Zweite Phase: Hinführung zu "normalen" Unterrichtsgeschehen, Anknüpfung an den verlangten Lehrplan / Grundvorstellung, angepasst an den Schüler:

1.Eingewöhnung in kontinuierliches Arbeiten

Vormittags von 9°° bis 12°° Unterricht mit einer kleinen zehnminütigen Pause nach etwa einer Stunde und einer großen Pause von 20 Minuten (ca. halb elf) wobei die Schwerpunkte der ersten Wochen sowohl bei der Vertiefung und dem Einbringen von Basiswissen sowie dem Erlernen von eigenen, komplexeren Lernmethoden liegen. Nachmittags (wenn möglich und nötig) von 14°° bis 15°° selbstständiges Erledigen der "Hausaufgaben", Vorbereitung auf eventuelle Proben. Einmal in der Woche nachmittags Sport (Lauftraining, Schwimmen)

Mathematik: Einmaleins, Schriftliches Multiplizieren und Dividieren, Textaufgaben verstehen und umsetzen

Deutsch: Rechtschreibung mit Schwerpunkt Groß -und Kleinschreibung, Doppelbuchstaben und der Umgang mit verlängerten Vokalen (h / ie etc.) Grammatik und Satzbau

Das Lernen erlernen durch Spiele und dem Entwickeln von Lernmethoden / die Angst vor dem Lernen nehmen (Lernzielkontrollen selbst erstellen, Lernen nach der Uhr, selber einen Unterricht vorbereiten etc.)

2.Weiterführung des Lernstoffes der jeweiligen Klasse und Schulart

Erstellung eines Stundenplanes der vor allem die Fächer GSE, PCB, Geschichte und Sozialkunde / Arbeitslehre und u. U. Englisch verbindet, um somit ein einheitliches Verständnis der Zusammenhänge zu entwickeln.

Unter Mithilfe der aktuellen Schulbücher und Proben (Kopien ehemaliger Mitschüler) das Niveau aufbauen und erhalten. Vertiefung durch Anschauung in der Natur und bei erlebnispädagogischen Reisen (Geschichte, Geologie, Biologie)

Praxisbezogene Arbeiten (Renovierungsarbeiten, Wäschepflege, Haushaltsbewältigung, Kochen, Fahrradreparaturen, etc.) und Anbindungen an örtliche Betriebe für "Schnupperlehren".

Zunehmende Leistungssteigerung und Eigenständigkeit beim Erarbeiten des Lernstoffes aufbauen

Einmal in der Woche Training des Sozialverhaltens, Wertevermittlung, Diskussion ethischer und gesellschaftlicher Fragen

Musische, sportliche Förderung:

Einmal in der Woche nachmittags Sport (Lauftraining, Schwimmen), Anbindung in einem Sportverein (Fussball, Selbstverteidigung, etc.) wenn es das soziale Verhalten des Kindes erlaubt.

Gitarrenunterricht oder Blockflöte (Anbindung Musikschule, interner Unterricht oder zu Hause)

EDV Kenntnisse (Textbearbeitung) und Schulung mit Audioprogrammen zur Erstellung eigener Musikprojekte (Konzeption, Aufnahme, Klangbearbeitung) im Haus.

 

 

Dritte Phase: Rückführung in die Schule / Klassenverband

In Zusammmenarbeit mit der jeweiligen Schule ist eine Rückführung auszuprobieren.

Möglicherweise ist anfangs eine Begleitung in die Schule von Nöten, diese sollte aber sehr kurz sein, damit das Kind durch diesen Sonderstatus einerseits von den Mitschülern nicht ausgegrenzt wird und anderseits das Kind sich nicht daran gewöhnt, genau diesen Sonderstatus für sich in Beschlag zu nehmen. Aus diesen Gründen und auch zur Vorbeugung vor erneuten schulischen Misserfolgen und Verhaltensauffäligkeiten sollte eine Rückführung sehr überlegt sein. Ein Kind sollte zumindest selbst den Gedanken und Wunsch haben zurück in die Schule zu gehen.

 

Externe Hilfestellungen / Vernetzung:

- Anbindung an Sportverein / Musikschule - oder Verein

- Vernetzende Zusammenarbeit mit ortansässigen (Sprengel) installieren (Lehrplan, Lernmittel, Probenvorbereitung etc.)

- Schulleistungsdiagnostik vor der Rückführung zur Ermittlung des Leistungsstandes

 

Zielvorstellung:

- Das Kind bleibt in der Schule, Förderschule, Hauptschule, Realschule (wenn noch kein Ausschluss vorliegt) angemeldet, nimmt an Lernzielkontrollen teil (macht diese unter Kontrolle einer Lehrkraft im Haus oder in der Schule), erhält ein Zeugnis oder eine Bestätigung des Besuches der jeweiligen Klasse.

- Bestmögliches und individuell auf das Kind zugeschnittenes Nachholen des Grundschulstoffes.

- Abbau von Schulangst und Vermeidungs - oder Verweigerungstaktiken.

- Aufbau zum Anschluss an die Anforderungen des jeweiligen Schulstoffes.

- Erreichen des Klassenziels

- Rückführung in den Klassenverband

- Vorbereitung auf eine Ausbildung (Berufsschulreife) durch Praktika in ortsansässigen Unternehmen

- Vorbereitung auf REHA-Maßnahmen der Agentur für Arbeit bei Vorliegen einer diagnostizierten Lernbehinderung.

 

Vorstellung Astrid Widmer:

- Seit 1998 private Nachhilfe und angestellt bei Abakus / Hauptschule, Realschule, FOS, Kinderpflegeschule in den Fächern Deutsch, Englisch, Mathematik, Pädagogik

- Seit 2003 intensive Einzelfallbetreuungen / Begleitung bei schulischer und beruflicher Entwicklung

- Seit 2005 Leitung privater halbjährlicher Intensivkurse zur Prüfungsvorbereitung QUALI / Mittlere Reife / Nachmittag - Nachhilfeunterricht in der Schule in Kirchheim in Deutsch und Englisch

- Seit 2006 ambulante Betreuungen junger Erwachsener mit Schwerpunkt der Prüfungsvorbereitungen zur externen QUALI-Prüfung

- 2009 Leitung Workshop "Lernen lernen" in Zusammenarbeit mit dem Kreisjugendring Mindelheim und der Gemeinde Kirchheim

- Seit 07.11.08 Betreuung von Jugendlichen (ISE mit internem Hausunterricht zum Nachholen von Grundschullernstoff, Vorbereitung und Unterstützung der Schulleistungsdiagnostik)

- Seit 2013 Abgeschlosse Fortbildung zur psychologischen Beraterin / Super Vision / Coaching mit dem Schwerpunkt "Traumaarbeit"