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17.9.2012

Die Krim, südlichster Punkt 2012

Hallo liebe interessierte Leute,

Die Ukraine! Tja, nachdem wir ein Jahr zuvor in Rumänien waren, beschlossen wir diesen Sommer die Ukraine zu bereisen (immer am Schwarzen Meer entlang). Und was soll man sagen? Zuallererst ist uns aufgefallen, dass nach dem Übertreten der Ukrainischen Grenze irgendwie alles anders war, als das was wir bisher kannten. Nicht negativ anders, sondern erst einmal anders. Die Läden, die Schrift, die Straßen, die Temperaturen, die Menschen und die Preise. Wir brauchten einige Tage um uns zu orientieren, denn der "Sowjetcharme" vergangener Zeiten, als die Ukraine noch zum sogenannten Ostblock gehörte, war immer noch vorhanden. Wir im Westen kennen so etwas nicht und müssen uns anpassen. Nachdem wir aber so langsam verstanden wie man einkauft (in den meisten Läden gibt es eine Theke und von der aus bekommt man was man will, also keine Selbstbedienung, was ein Problem ist, wenn man der Sprache nicht mächtig ist), wie alles funktioniert, wurden wir sicherer. Hilfreich war es auch, dass wir uns ein paar Brocken Russisch aneigneten. Die Menschen sind sehr nett, nachdem sie einen vorsichtig beschnuppert hatten. Immer wieder tauchte die Frage auf, warum wir in die Ukraine zum Urlaub machen kommen, wir könnten doch nach Miami oder Hawaii, besser noch überhaupt in den USA Urlaub machen. Wenn wir klar machen konnten, dass wir gerade die Ukraine besuchen wollen, weil das für uns neu und spannend ist, tauten die Menschen auf und waren überaus gastfreundlich, vor allem mit Wodka, der in Strömen in der Ukraine fließt. Dass wir nicht ständig und immer und vor allem nicht viel Wodka trinken wollten, irritierte die Menschen sehr, aber sie akzeptierten es.

Die Ukraine ist ein wunderschönes Land, mit interessanten Landschaften und kuturell viel Neuem, also Unbekanntem. Die Strände und Flußufer sind schön, in den Touriorten aber maßlos überfüllt (die Ukrainer und Russen ballen sich gerne zusammen und feiern ihren Urlaub sehr ausgiebig und auslassend, jeden Abend gibt es Feuerwerke und Remmidemmi mit einer kakophoni aus Folklore, Pop und Techno), jeder stellt sein Zelt irgendwo hin und jeder ist willkommen. Überall (außer auf militärischen Geländen, die man sofort anhand ihrer feindlichen Ausstrahlung erkennt) kann man frei stehen und wird in Ruhe gelassen.

Wir staunten nicht schlecht über dieses Land und ihre Menschen und hatten viele Gespräche mit Einheimischen, bei denen man immer noch merkt, wie die Geschichte der letzten Jahrzehnte (sogar Jahrhunderte) heute noch wirksam ist. Als Deutsche waren wir sehr willkommen, egal ob von prowestlich oder prorussisch eingestellten Menschen.

Der Großteil der Menschen ist arm und auch schwer gebeutelt durch den Niedergang des Sowjetreiches. Die Öffnung zum Kapitalismus hat nur Wenige reich gemacht, die meisten haben aber verloren, denn nun ist das Leben eine reine Privatsache geworden, Väterchen Staat kümmert sich nicht mehr, es kümmert sich eigentlich keiner mehr (viele Neuinvestionen wurden auf Eis gelegt und verrotten in der Lanschaft). Dennoch wird das Leben gefeiert, laufen Scharen von Kindern umher. Die Ukraine hätte das Zeug ein sehr reiches Land zu werden, wenn sie sich nicht vom dem Gezerre zwischen dem Westen und Osten beeinflussen lässt.

 

Nachtrag:

Seit der Krise in der Ukraine denken wir oft an die Menschen dort und spüren Angst, dass dieses große Land wieder politisch zerrissen wird. Da wir mit den Menschen gesprochen haben, wissen wir, dass die Situation, so wie sie uns von unseren Medien dargestellt wird, nicht zutrifft. Wir hoffen für die Ukrainer immer noch, dass sie ein eigenständiges Land bleiben und sich selbst entwickeln können.

 

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